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Zukunft gestalten

April 2017 / Bielefeld

Betheler Forderungen für die „Zukunft der Arbeit“

Ansprechpartner 

Corinna Bergmann / Diana Krüger

Datum

April 2017

Betheler Forderungen für die „Zukunft der Arbeit“

„Menschen sind dann am glücklichsten, wenn sie ihre Fähigkeiten entfalten können!“ (Aristoteles).

Unter dieser Prämisse fand anlässlich des 150-jährigen Bethel-Jubiläums die Fachtagung „zusammen.arbeiten.gestalten – Zukunft der Arbeit für Menschen mit Behinderung“, im Assapheum in Bielefeld-Bethel mit rund 260 Teilnehmerinnen und Teilnehmern statt.
 

Für die Andreas-Mohn-Stiftung war dies bereits die zweite Tagung zum Thema Arbeitsmarkt für Menschen mit Behinderung. Anknüpfend  an die im Februar 2014 veranstaltete Tagung „Selbstbestimmung in Arbeit?!“, zum 5-jährigen Bestehen der UN-Behindertenrechtskonvention, richtete sich der Fokus diesmal mehr auf die Praxis.
Die Stiftung hatte die Tagung gemeinsam mit Bethel proWerk, der Initiative für Beschäftigung Ostwestfalen-Lippe und dem Betheler Fachausschuss Arbeit veranstaltet.

„Es ist sehr wichtig, dass jeder dort arbeiten kann, wo er möchte. Das zu realisieren, muss das Ziel sein“, betonte die Vorsitzende des Gesamtwerkstattrates von Bethel proWerk, Frau Laureen Gäde, bei der Tagung. Viele Menschen mit Behinderungen würden auf dem ersten Arbeitsmarkt arbeiten wollen. Aber es gebe auch viele, die sich in ihrer Werkstatt für behinderte Menschen am Wohlsten fühlen – und das sei auch in Ordnung, so Laureen Gäde.

Die Werkstatträte stellten ihre 2016 erarbeitete „Betheler Erklärung“ vor. In dieser haben sie Forderungen für die Zukunft der Arbeit von Menschen mit Behinderungen formuliert. So verlangen sie unter anderem mehr Anerkennung für ihre Leistungen und Produkte, eine bessere Entlohnung und mehr Arbeitsplätze, die den Fähigkeiten der einzelnen Menschen entsprechen. Der Geschäftsführer der Agentur für Arbeit Bielefeld, Herr Thomas Richter, ist überzeugt, dass das umsetzbar ist: „Man kann für alle den passenden Arbeitsplatz gestalten, denn jeder Mensch kann etwas!“

Eine verstärkte Zuwendung der Werkstätten-Träger zu modernen Formen der Arbeit forderte der Vorstandsvorsitzende der v. Bodelschwinghschen Stiftungen Bethel, Herr Pastor Ulrich Pohl. Anstrengungen zum Ausbau von Integrationsunternehmen und ausgelagerten Arbeitsplätzen auf dem ersten Arbeitsmarkt etwa müssten verstärkt werden. Bei der Umsetzung von Inklusion im Bereich Arbeit gebe es noch viel zu tun. Eine kleine Erfolgsgeschichte sei, dass mittlerweile etwa zehn Prozent der Menschen mit Behinderungen aus dem Werkstattbereich von proWerk auf integrierten Arbeitsplätzen im ersten Arbeitsmarkt tätig seien.

Der Geschäftsleiter der Initiative für Beschäftigung OWL e. V., Herr Volker Wilde, ist zudem optimistisch, dass die Chancen behinderter Menschen auf dem ersten Arbeitsmarkt durch den demografischen Wandel steigen. Er führe nicht nur zu einem enormen Verlust an Fachkräften, sondern auch an Hilfskräften. „Menschen mit Beeinträchtigungen können diese Lücke schließen“, so Volker Wilde.

proWerk-Geschäftsführer Herr Martin Henke will nicht auf die Wirtschaft warten, um mehr Inklusion auf dem ersten Arbeitsmarkt zu verwirklichen. Bethel und andere Träger müssten noch mehr „Gummi geben“, verstärkt auf Unternehmen zugehen und die Öffentlichkeit über die hohe Qualität der geleisteten Arbeit in den Werkstätten informieren.

Mitarbeitende mit Behinderungen, Fachmitarbeitende sozialer Dienstleistungen und Vertreter regionaler Unternehmen waren eingeladen, sich bei der Tagung über das Thema auszutauschen. Zur Enttäuschung der Veranstalter und Teilnehmer war allerdings die Wirtschaft kaum vertreten. Darum will Herr Thomas Richter eine Folgeveranstaltung mit mindestens 20 Prozent Arbeitgebern realisieren. Moderiert wurde die Veranstaltung von Herr Alexander Haupt sowie der Fernsehjournalistin Frau Brigitte Büscher (u.a. Zuschaueranwältin in der Sendung „Hart aber fair“).